Husten

Dezember 5, 2007 - Leave a Response

Es ist 8:25 Uhr und der klumpige Husten des alten Mannes vor mir durchdringt
immer wieder das zeitungsraschelde Schweigen der Bahnfahrer. Angewidert starrt
die Blondine mit der Pradatasche auf ihre schwarzen Schuhe. Man kann ihr ansehen
was sie denkt. Der junge Student rechts mustert den Alten immer wieder hektisch.
Scannt ihn ab, durchleuchtet ihn durch seine Brille. Bestimmt ein
Medizinstudent. Wahrscheinlich erstellt er im Kopf grade eine Liste der
Krankheiten die der Alte hat + die die dazugehörigen verschreibungspflichtigen
Medikamente. Das wird teuer für den Steuerzahler, er verzieht das Gesicht
leicht. So wie er guckt berechnet er außerdem grade die mögliche Lebensdauer
verlängert durch unsere gute Schulmedizin in Deutschland. 10 € Praxisgebühr mit
eingerechnet.
Angenervt von der hustenden Unterhaltung ist der „Businesssboy“
rechts neben mir in: Nadelstreifenhose + Nadelstreifenweste +
Nadelstreifensakko. Aber das Hemd ist weiß! Sichtlich genervt hackt er auf der
Tastatur seines Laptops rum, Zeit ist Geld. Jedes Mal wenn der Alte hustet wirft
er ihm einen tödlichen Blick rüber…. Außerdem nervt ihn die Restsonne die es
wagt sich ein wenig auf dem Bildschirm seines Laptops zu spiegeln.
Unverschämtheit! Das kann ja nur ein Scheißtag werden…
Der Alte kriegt jetzt
einen regelrechten Hustenanfall. Alle Köpfe drehen sich angewidert zur Seite.
Neben uns lacht das sterile grau des Düsseldorfer Flughafens. Nicht mehr weit
bis zum Hbf. Die ersten übereifrigen Geschäftsleute stellen sich schon mal in
den Gang. Langsam, ganz langsam steht auch der Alte auf und humpelt zur Tür
rechts.
„Das war ja klar, nicht nur alt und krank sondern auch noch ein
Krüppel“ schreit der stechende Blick der Pradablondine. Sie achtet sorgsam
darauf das ihre schwarzen Schuhe nicht vom alten Mann berührt werden. Der
Student starrt beschämt zu Boden. Ihm ist wohl grade klar geworden das er das
Heilmittel für den Alten erst 2017 erfinden wird. Der Geschäftsmann rechts packt
fluchend seinen Laptop zusammen. In einem sind sich alle einig: Sie nehmen die
Ausstiegstür links.
Menschen sind so unterhaltsam…

Gedankensprünge (1)

Dezember 5, 2007 - Leave a Response

Ich sitze hier und starre auf den Hinterkopf meines Fahrers. Er kann nicht viel
älter sein als ich. Trotzdem hat er schon eine beachtliche Anzahl grauer Haare.
Wie alt mag er wohl wirklich sein?? Ich verschätze mich da im Moment oft. Woher
das bloß kommt das manche Menschen noch immer so jung wirken obwohl sie schon 30
sind? Fehlt da ein Lebensplan?? Mein Haus, mein Auto, meine Frau. Haben sich die
Zeiten geändert?? Wollen wir uns nicht unserem Alter entsprechend benehmen oder
können wir nicht?? Haben wir vielleicht einfach nicht genug Verpflichtungen oder
Sorgen? Warum dürfen wir uns mit 25 noch wie 19 benehmen?? Und ist das nun etwas
gutes oder schlechtes? Und wem zum Teufel juckt das wirklich??
Meinen Fahrer
jedenfalls nicht. Der unterhält sich nämlich grade mit der Beifahrerin vorne.
Sie kommt aus der Ukraine und muss ihren Anschluss in Dortmund kriegen.
Wirklich? Ja. Sie lachen. Soll ich ihnen Oberflächlichkeit vorwerfen oder mir
Desinteresse?? Meine Mitfahrerin hinten neben mir sitzt nur da und starrt Löcher
in die Luft. Passiert das was im Kopf?? Warscheinlich ist sie in Gedanken immer
noch bei ihrem Freund dem sie grade flüsternd am Handy mitgeteilt hat das alles
ok ist. Niemand wird sie umbringen. Niemand wird sie umbringen??
Die 2 vorne
Schweigen jetzt auch. The rest is silence. An mir rasen traurige Bäume vorbei
die im grau der Autobahn träge winken. Der obligatorische totgefahrene Igel
liegt am Straßenrand. Quasi als Mahnmal. Euer Fortschritt ist ein Witz scheint
er mir sagen zu wollen. Thank you I already know.

Der kleine Tod (1)

Dezember 5, 2007 - Leave a Response

Der Klumpen schmerzt. Er zieht sich zusammen. Presst mir die Luft aus den Lungen. Vibriert. Gräbt sich tief in meine Eingeweide. Schämt sich. Pocht unerlässllich. Und Angst steigt in mir hoch. Ich kann nur noch an diesen schweren Klumpen denken. Wie er mich deprimiert. Zum weinen bringt. Mit zuverlässigem Druck weiter weh tut.
der Klumpen stellt diie Frage die ich mich noch nicht mal traue im Kopf zu formuliern:
Ist es so richtig? Machst du es so richtig? Kann ich so leben?? Was ist wenn nicht????
Ich zerschmetter an den Antworten die ich nicht geben kann, nicht gebenwill. Ich verschließe meine Augen und flehe stumm „Gib ruh…“
Ich trage nicht die Last der Welt auf meinen Schultern. Und der Kampf ist doch der Selbe: Er lautet NICHT Gut gegen Böse. Es ist der Kampf Kopf gegen Herz.
Aber ich bin ignorant, ich gebe dem Klumpen einen Tritt und lasse ihn weiterschmerzen.
Herzweh.
Nichts schlimmes, das vergeht.
Hoffentlich.
Jehmals…

Melodie

Dezember 5, 2007 - Leave a Response

Schwerfällig ziehen die schneebedeckten Bäume an mir vorbei. Heute zeigt die Welt erneut ihr faltiges Gesicht. Meine Füße frieren. Spärliche Lampen beleuchten den zu grauen Matsch zerfließenden Schnee. Hektische Menschen wühlen sich wie Lemminge durch die Gänge, keine Zeit, KEINE ZEIT!
Ein einsamer Stadtangestellter fegt monoton die umhergeschmissenen Birschlaschen und Zigarettenkippen zusammen. Er sieht müde aus.
Etwas weiter hinten auf einer Bank sitzend schaut ihm einn alter Penner mit grauem schmutzigen Bart dabei zu. Er hält sich an seiner Wodkaflasche fest als hinge sein Leben davon ab. Und vieleicht ist das die Warheit.
Zu seinen Füßen liegt ein festgefrorener Vogelkadaver. Besser nicht daran denken warum.
Niemals endend ziehen die dunklen Schatten der Autos mit grellen Scheinwerfern vorbei.
Warum bin ich bloß so traurig…

Guten Morgen an all die Banausen da draußen…

Dezember 5, 2007 - Leave a Response

Die KintaEine Seite voller gedanklichem Schwachsinn, hochgradiger Hirnvermüllung und unerträglichem Scheiß.
Lesen auf eigene Gefahr.